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Geschichte der Corps

Die Corps sind die älteste, heute noch vorhandene, Form von studentischen Zusammenschlüssen. Sie zeichnen sich durch politische und konfessionelle Neutralität und Toleranz aus.

Nach den französischen Befreiungskriegen entstanden die Vorläufer der heutigen Corps. Sie nannten sich im Unterschied gegenüber den alten Landsmannschaften „Kränzchen“, wurden aber von anderen, wegen ihres Aufbaus, Landsmannschaften genannt.

Als in Heidelberg 1810 wieder einmal die Landsmannschaften verfolgt wurden, entschloss sich der Heidelberger SC zur Tarnbezeichnung "Corps"; was damals eine gebräuchliche Bezeichnung für viele Gruppen war.

Von Heidelberg aus ging diese Bezeichnung über den ganzen deutschsprachigen Raum.
Die ersten Corps waren auf landsmannschaftlicher Grundlage aufgebaut. Daher lauten die oft latinisierten Namen Frankonia für Franken, Guestphalia für Westfalen, Saxonia für Sachsen und so weiter.

Die heutigen Landsmannschaften haben mit den Corps entwicklungsgeschichtlich nichts zu tun. Sie sind erst mit einer studentischen Reformbewegung der 1840er Jahre, aus einer Gegnerschaft zu den Corps, die sich größtenteils aus dem Adel rekrutierten und nur auf Empfehlung den Beitritt gestatteten, entstanden.

Ein Corps ist bis heute, unter anderem, die Plattform zum Erhalt und Entstehen von Freundschaften, die sich während der Studienzeit herausbilden und ein Leben lang Bestand haben.

Unsere Geschichte

Das Corps Rheno-Nicaria wurde am 22.01.1909 an der damaligen Handelshochschule in Mannheim gestiftet. Es kann zum heutigen Tage also auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken und hat die Tragfähigkeit seines Konzeptes in den zurückliegenden, bewegten Zeiten immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen müssen.

Schon als junge Korporation hatte die Rheno-Nicaria Widrigkeiten zu meistern. Eine besondere Herausforderung war das Überstehen der beiden Weltkriege des 20. Jahrunderts. Während zu Zeiten des 1. Weltkrieges der Aktivenbetrieb nur zeitweise eingestellt wurde und 1918, wenn auch nach schmerzlichem Verlust vieler Corpsbrüder, wieder aufgenommen werden konnte, wurden im Dritten Reich Verbindungen gänzlich aufgelöst und verboten. Doch auch nach diesen dunklen Jahren war die korporative Idee stark genug, die überlebenden Corpsbrüder erneut zusammen zu führen und das Corps wieder aufleben zu lassen.

Nach einhundert Jahren, nach Kriegen, der Gründung einer Heidelberger Konstante und schließlich auch wieder der Trennung von derselben, Umzügen und vielem mehr, findet man heute das Corps Rheno-Nicaria, mit seinem Haus in der Mannheimer Oststadt, fest im akademischen und gesellschaftlichen Leben der Region verwurzelt.

Akademisches Fechten

Das Corps Rheno-Nicaria ist eine pflichtschlagende Korporation, die sich seit jeher zur Mensur bekannt hat. Es ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil unserer Tradition und des Charakters des Corps. Es ist vor allem eine Erfahrung, die jeder Rhein-Neckarländer, unabhängig von Alter, Herkunft oder Werdegang, teilt und die keiner missen möchte.

Das studentische Fechten ging aus dem Privileg der Studenten hervor, Waffen tragen zu dürfen und wurde im Laufe der Zeit ritualisiert und verfeinert. Damit ist es wohl die älteste Extremsportart der Welt, mit Sicherheit aber die Exklusivste, da sie ausschließlich den Mitgliedern schlagender Verbindungen vorbehalten ist.

Das Fechten mit scharfen Waffen, birgt natürlich ein potenzielles Risiko, dem wir mit gewissenhaftem Training begegnen und es dadurch minimieren. Andere als kosmetische Verletzungen sind aber aufgrund der Schutzkleidung und des Reglements ohnehin ausgeschlossen.

Die Überwindung und die selbsteingegangene Verpflichtung eine Mensur zu bestehen, sich in extremen Situationen an Regeln zu halten und trotz allem fair zu bleiben, wie das Wissen, sich auch hierbei völlig auf seine Corpsbrüder verlassen zu können, machen den Wert der Mensur für den Einzelnen und für die Gemeinschaft aus.

Viele Verbindungen, die sich durch den Zeitgeist haben dazu hinreißen lassen, die Mensur aufzugeben, finden inzwischen zu ihr zurück. Es konnte kein Ersatz gefunden werden, für dieses faszinierende edle und zugleich rohe Mittel, um Selbstbeherrschung, Ritterlichkeit und persönlichen Einsatz für die Gemeinschaft zu dokumentieren.

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